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Das Handwerk – zu Unrecht unterschätzt

Nadine, 19, kommt aus Saarbrücken und kann nicht verstehen, warum die Handwerksbranche eine Imagekampagne braucht. Für sie ist das Handwerk vielseitig und chancenreich. Lest hier ihre Meinung:

Die Wirtschaftsmacht von nebenan!

Zu Beginn des Jahres 2010 hat die deutsche Handwerksorganisation eine riesige Imagekampagne gestartet. Sie ist auf fünf Jahre angesetzt, wirbt mit über 12.000 Plakaten, Anzeigen in Zeitschriften und Magazinen und Werbespots. Außerdem wird es an zahlreichen Schulen Infoveranstaltungen über die Branche geben. Die Zielgruppe sind unter andere wir - die Jugendlichen!

Aber warum muss das Image des Handwerks aufpoliert werden?

Eine Umfrage ergab, dass nur jeder dritte Jugendliche das Handwerk positiv bewertet. Viele glauben, die Jobs würden schlecht bezahlt, die Arbeitsplätze seien nicht sicher und ein Handwerksberuf würde nur geringes soziales Ansehen bringen. 80 Prozent aller Schulabgänger würden keine Lehre im Handwerk anfangen wollen. 10.000 Ausbildungsplätze bleiben in diesem Jahr unbesetzt.

Im fortschreitenden Wandel der Zeit hat das Handwerk an Glanz verloren. Das Image ist angeknackst, das steht fest. Dabei ist das doch eigentlich völliger Unsinn. Das Handwerk ist einer der wichtigsten Pfeiler unserer Gesellschaft. Mit fast fünf Millionen Beschäftigten - das sind ein Achtel aller Erwerbstätigen - und beinahe einer Million Betrieben bildet es das Kernstück der deutschen Wirtschaft. Die Verdienstsmöglichkeiten sind gut. Der Jahresumsatz von 2008 betrug 511, 6 Milliarden Euro. In keiner Branche wird mehr erwirtschaftet. Bei über 150 verschiedenen Ausbildungsberufen ist das auch kein Wunder.

Vielseitiger geht es kaum. Zum Handwerk gehört mehr als nur Tapezieren und Schrauben. Berufe wie Friseur, Kosmetiker, Fleischer, Augenoptiker, Mediengestalter oder Fotograf sind ebenso Bestandteil wie Bestatter oder Zahntechniker. Wer bei Handwerkern nur an verschwitze Bauarbeiter denkt, der hat den Anschluss ins neue Jahrtausend verpasst! Und wer glaubt, dass Handwerker in der sozialen Hierarchie ganz unten stehen – eher ungebildet –, der hat wahrscheinlich auch noch das Bild von der Erde als Scheibe im Kopf.

Denn mit einer dreijährigen Ausbildung ist der Karriereweg des Handwerkers längst nicht abgeschlossen. Ständige Seminare halten die Gesellen und Facharbeiter auf dem neuesten Stand der Technik. Um sich Meister nennen zu können, muss ein Handwerker erst vier Prüfungen bestehen. Danach kann er seinen eigenen Betrieb gründen und Lehrlinge ausbilden. Doch die Meisterflagge ist nicht die letzte Station der Fahnenstange. Handwerker mit Meistertitel können nämlich an Fachhochschulen, in einigen Bundesländern sogar an staatlichen Hochschulen studieren. Somit ebnet eine Handwerkskarriere auch Haupt- und Realschulabsolventen den Weg zum Studium.

Warum also, steht der Wirtschaftszweig in der Gunst der deutschen Bevölkerung so weit unten?

Die Missachtung des Handwerks liegt in der Unwissenheit. An meiner Schule habe ich noch nie eine Broschüre über Ausbildungswege im Handwerk ´rumliegen sehen. Mit der neuen Kampagne soll sich das also ändern. Und wer wissen möchte, wie eine Welt ohne Handwerker aussehen würde, kann das im neuen Fernsehspot der Kampagne sehen.

Text: Nadine Killburg

www.handwerk.de